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Mal wieder ein Märchen...

... und noch dazu ein besonders Sch?nes.


Schlechte Nachrichten

Nichts r?hrte sich im Tal der Drachen. Nebel trieb vom nahen Meer herbei und blieb zwischen den Bergen h?ngen. V?gel zwitscherten zaghaft in dem feuchten Dunst und die Sonne verbarg sich hinter den Wolken.

Da huschte eine Ratte die H?nge hinunter. Sie ?berschlug sich, kugelte ?ber die vermoosten Felsen und rappelte sich wieder auf. ?Hab ich's nicht gesagt??, schimpfte sie vor sich hin. ?Hab ich's ihnen nicht gesagt?? Schnuppernd hob sie die spitze Nase, lauschte und lief auf eine Gruppe krumm gewachsener Tannen zu, die am Fu?e des h?chsten Berges standen.

?Vor dem Winter?, murmelte die Ratte. ?Schon vor dem Winter hab ich es gerochen, aber nein, sie wollten es nicht glauben. Sie f?hlen sich hier sicher. Sicher! Pah!?

Unter den Tannen war es dunkel, so dunkel, dass man den Spalt kaum sah, der in der Bergflanke klaffte. Wie ein Schlund schluckte er den Nebel.
?Sie wissen nichts?, schimpfte die Ratte. ?Das ist das Problem. Sie wissen gar nichts von der Welt. Nichts, ?berhaupt nichts.?
Vorsichtig sah sie sich noch einmal um, dann verschwand sie in der Spalte. Eine gro?e H?hle verbarg sich dahinter. Die Ratte huschte hinein, aber sie kam nicht weit. Jemand packte ihren Schwanz und hob sie in die Luft.
?Hallo, Ratte! Was machst du denn hier??

Ratte schnappte nach den pelzigen Fingern, die sie festhielten, aber au?er ein paar Koboldhaaren bekam sie nichts zu fassen. W?tend spuckte sie sie aus.
?Schwefelfell!?, fauchte sie. ?Lass mich auf der Stelle los, du hohlk?pfige Pilzfresserin! Ich habe keine Zeit f?r Koboldscherze.?
?Keine Zeit?? Schwefelfell setzte Ratte auf ihre Pfote. Sie war noch ein junges Koboldm?dchen, klein wie ein Menschenkind, mit geflecktem Fell und hellen Katzenaugen. ?Wieso, Ratte? Was hast du denn so Wichtiges vor? Brauchst du einen Drachen, der dich vor hungrigen Katzen besch?tzt??

?Es geht nicht um Katzen!?, zischte Ratte w?tend. Sie mochte Kobolde nicht. Aber alle Drachen liebten die Pelzgesichter. Sie lauschten ihren seltsamen kleinen Liedern, wenn sie nicht schlafen konnten. Und wenn sie traurig waren, konnte niemand sie besser tr?sten als so ein frecher, nichtsnutziger Kobold.

?Wenn du es wissen willst, ich habe schlechte Nachrichten, sehr schlechte?, n?selte Ratte. ?Aber die werde ich nur Lung erz?hlen, ganz bestimmt nicht dir.?
?Schlechte Nachrichten? Pfui, Schimmelpilz. Was denn f?r welche?? Schwefelfell kratzte sich den Bauch.
?Setz - mich - runter!?, knurrte Ratte.
?Na gut.? Schwefelfell seufzte und lie? Ratte auf den felsigen Boden h?pfen. ?Aber er schl?ft noch.?
?Dann werde ich ihn wecken!?, fauchte Ratte und lief tiefer in die H?hle hinein, dorthin, wo ein blaues Feuer brannte und Dunkelheit und N?sse aus dem Bauch des Berges vertrieb. Hinter den Flammen schlief der Drache. Er hatte sich zusammengerollt. Den Kopf hatte er auf die Tatzen gelegt. Sein langer, gezackter Schwanz ringelte sich um das w?rmende Feuer. Die Flammen lie?en seine Schuppen leuchten und warfen seinen Schatten an die H?hlenwand. Ratte huschte auf den Drachen zu, kletterte auf seine Tatze u
nd zupfte ihn am Ohr.

?Lung!?, rief sie. ?Lung, wach auf. Sie kommen!?
Verschlafen hob der Drache den Kopf und ?ffnete die Augen.
?Ach, du bist es, Ratte!?, murmelte er. Seine Stimme war ein bisschen rau. ?Ist die Sonne schon untergegangen??
?Nein, aber du musst trotzdem aufstehen! Du musst die anderen wecken!? Ratte sprang von Lungs Pfote und lief unruhig vor ihm auf und ab. ?Ich habe euch gewarnt. Aber ihr wolltet ja nicht h?ren.?
?Wovon redet sie?? Fragend sah der Drache zu Schwefelfell hin?ber, die sich ans Feuer gesetzt hatte und an einer Wurzel knabberte.
?Keine Ahnung!?, schmatzte Schwefelfell. ?Sie redet schon die ganze Zeit so wirres Zeug. Es passt eben nicht viel Verstand in so einen kleinen Kopf.?

?Ach ja?? Ratte schnappte emp?rt nach Luft. ?Das, das ...?
?H?r nicht auf sie, Ratte!? Lung stand auf, reckte den langen Hals und sch?ttelte sich. ?Sie hat schlechte Laune, weil ihr Fell feucht ist von dem Nebel.?
?Ach was!? Ratte warf Schwefelfell einen giftigen Blick zu. ?Kobolde haben immer schlechte Laune. Seit Sonnenaufgang bin ich auf den Pfoten, um euch zu warnen. Und was ist der Dank?? Ihr graues Fell str?ubte sich vor ?rger. ?Ich muss mir ihre pelzigen Dummheiten anh?ren!?
?Wovor denn warnen?? Schwefelfell warf den abgeknabberten Rest ihrer Wurzel gegen die H?hlenwand. ?Bleichstieliger Sch?pperling! Wenn du nicht endlich aufh?rst, es so spannend zu machen, bind ich dir einen Knoten in den Schwanz!?

?Schwefelfell!? Lung schlug ?rgerlich mit der Tatze ins Feuer. Blaue Funken flogen dem Koboldm?dchen auf den Pelz und erloschen dort wie winzige Sternschnuppen.
?Ja, ja, schon gut!?, brummte sie. ?Aber diese Ratte kann einen wirklich verr?ckt machen mit ihrem ewigen Drumherumgerede.?
?Ach ja? Dann h?r mir jetzt mal zu!? Die Ratte richtete sich zu ihrer vollen Gr??e auf, stemmte die Pfoten in die Seiten und bleckte die Z?hne.
?Diiieee Menschen kommen!?, fauchte sie so schrill, dass ihre Stimme in der H?hle widerhallte. ?Die Menschen kommen! Wei?t du, was das hei?t, du bl?tterw?hlender, pilzfressender, zottelk?pfiger Kobold? Sie kommen hiiiierheeer!?

Totenstill war es pl?tzlich.
Schwefelfell und Lung sa?en da wie erstarrt. Nur Ratte zitterte immer noch vor Wut. Ihre Schnurrbarthaare bebten und ihr Schwanz zuckte auf dem H?hlenboden hin und her.
Lung regte sich als Erster wieder.
?Die Menschen??, fragte er, beugte den Hals und hielt Ratte seine Tatze hin. Mit beleidigter Miene trippelte sie hinauf. Lung hob sie vor seine Augen. ?Du bist sicher??, fragte er.
?Ganz sicher?, antwortete die Ratte.
Lung senkte den Kopf. ?Es musste so kommen?, sagte er leise. ?Sie sind schon ?berall. Ich glaube, es werden immer mehr.?
Schwefelfell sa? immer noch da wie bet?ubt. Pl?tzlich sprang sie auf und spuckte ins Feuer. ?Unm?glich!?, rief sie. ?Hier ist nichts, was sie m?gen. Gar nichts!?

?Pah!? Die Ratte lehnte sich so weit hinunter, dass sie fast von Lungs Tatze kippte. ?Rede nicht so einen Unsinn. Du warst doch selbst schon bei den Menschen. Es gibt nichts, was sie nicht m?gen. Es gibt nichts, was sie nicht haben wollen. Hast du das schon vergessen??
?Ja, ja, schon
gut!?, brummte Schwefelfell. ?Du hast Recht. Sie sind gierig. Sie wollen alles f?r sich.?
?Ja, das wollen sie!? Die Ratte nickte. ?Und ich sage euch, sie kommen hierher.?

Das Drachenfeuer flackerte. Die Flammen sanken zusammen, bis die Dunkelheit sie fra? wie ein schwarzes Tier. Nur eins lie? Lungs Feuer so schnell verl?schen: Traurigkeit. Der Drache blies sacht auf den felsigen Boden und die Flammen flackerten wieder auf.
?Das sind wirklich schlimme Neuigkeiten, Ratte?, sagte Lung. Er lie? Ratte auf seine Schulter springen und ging langsam auf den H?hlenausgang zu. ?Komm, Schwefelfell?, sagte er. ?Wir m?ssen die anderen wecken.?
?Na, die werden sich freuen!?, knurrte Schwefelfell, strich sich das Fell glatt und folgte Lung hinaus in den Nebel.

Cornelia Funke: "Drachenreiter"

Dies ist der Beginn eines besonders lesenswerten Buches, welches ich Dank eines wunderbaren Menschens entdeckte, von ihm geschenkt bekam und in nur wenigen N?chten verschlang. Es hat mich in eine andere Welt entf?hrt und tr?umen lassen.



(MiQ, ich hoffe, Du bist damit einverstanden und mir nicht b?se, dass ich mir dein so toll gezeichnetes Drachenbild ausgeliehen habe )
31.1.06 02:35
 


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